HYDRO TECHNO SUPER SUPER




Hydro Techno Super Super: Ein Nachruf

Wie so vieles im Jahr 2006 konnte Hydro Techno Super Super nur im Schatten eines übermächtigen Sportereignisses entstehen und wie so vieles löste es sich schon bald auf. Doch im Gegensatz zu diesen nebulös umrissenden Abstrakten - wird von Hydro Techno etwas bleiben. Zwei Stücke, die hinter einer Mauer des Größenwahns die Verletzlichkeit der neuen zu kürenden Nationalhelden erahnen ließen und die tragischen Figuren nicht vergaßen. Nicht einmal die schnöden normalen.

Hydro Techno Super Super fühlten sich nicht als Advokaten in einer langweiligen Debatte über die gesellschaftliche Stellung von Fußball oder einer Kritik an einem mehr als genügend Angriffsfläche bietenden Großereignis. Es ging um die zerbrechliche Seite eines protzig daherkommenden, vor Virilität strotzenden Sportturniers. Auch wenn das Streben nach einen Weltmeistertitel als nationales Großprojekt, inklusive Nestbeschmutzerbeschimpfungen und allem drum und dran, etwas Beängstigendes hatte, es offenbarte auch eine herzergreifende Verzweiflung. Auch wenn die plötzliche Gastfreundschaft zu souverän schien, um nicht kalkuliert zu sein: in Wirklichkeit würde Deutschland verlegen von einem Fuß auf den anderen wippen und nicht wissen, was es sagen soll, wenn die Welt, die man sich wie eine flüchtige Urlaubsbekanntschaft im überschwang einer Champagnerlaune nach Hause eingeladen hatte, im Juni auf der Matte steht.

Aus dem Eifer der Empörung entstanden, kam Hydro Techno Super Super durch das sich im Schließen begriffene Stadiondach, um sich auf den Tribünen in die Kortexen zu grätschen und stellte fest: es sind eigentlich gar keine Lieder über Fußball geworden, sondern über Menschen. Muss auch mal gehen. "Ich schieße für mein Land" behandelt die ganz großen Themen des Menschseins in Deutschland 2006: die Frage nach der Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns, die Hoffnung auf Erfolg und gesellschaftliche Anerkennung basierend auf völlig belanglosen Tätigkeiten (wie überflüssige Konzerne managen, Flugzeuge fliegen oder eben Fußballspielen), das Gefühl der eigenen Deplatziertheit inmitten fremder Rollenzuschreibungen, der schmale Grat zwischen vom Erfolg berauschtem übermut und totaler Versagensangst.

Kurz gesagt: Hydro Techno Super Super warf die brisante Frage auf, was eigentlich der ganze Quatsch sollte und tat dies im namen der Ästhetik auf einer feinen, auf 111 Stück limitierten 7inch-Single in handgetackertem Kunstrasen-Cover. Auch stark!


Bandmitglieder:

Alexander Schwartz (Gitarre und Gesang)
Jochen Bader (Bassgitarre)
Joachim Büchner (Schlagzeug)

Kontakt:

http://myspace.com/hydrotechnosupersuper

 

Diskographie

Cover: Sean

Ich schieß für mein Land

7-Inch-Single im handgetackerten Kunstrasen-Cover

A. Ich schieße für mein Land MP3
B. Zwei Fäuste gegen Rio